Gedanken Adventszeit

Adventszeit ist Wartezeit! – Gerade im „Corona-Jahr“ 2020!

Dietrich Bonhoeffer hat in seiner Haft in der NS-Zeit folgenden Vergleich für den Advent gefunden:

„Eine Gefängniszelle ist ein ganz guter Vergleich für die Adventssituation; man wartet und hofft und tut dies oder jenes – die Tür ist verschlossen und kann nur
von außen geöffnet werden.“

Bisher war mir dieser Vergleich immer zu drastisch, doch in diesem Jahr kann ich ein Stück mit Bonhoeffer mitfühlen. Das Gefühl, einer Situation ausgeliefert zu sein und selbst nichts zu deren Ende beitragen zu können ist im Jahr eins der Corona-Pandemie allgegenwärtig. Und nicht nur im März kam sich mancher wie ein Gefangener in den eigenen vier Wänden vor. An die Bedingungen für Senioren in Heimen will ich hier gar nicht weiter erinnern. Ja, der Advent des Jahres 2020 ist ein Warten auf eine Lösung, auf eine „Erlösung“. Warten auf den Start der Corona-Impfungen – ein Warten mit gemischten Gefühlen. Und eines, welches die Geduld strapaziert – letzte Woche hieß es noch: „In diesem Monat starten die Impfungen“, jetzt heißt es auf einmal wieder: „Anfang Januar“. Und selbst, wenn es dann los geht, wird im ersten Quartal nur ein ganz kleiner Teil von uns dabei sein. Wir erleben dieser Tage ein „Ausgeliefertsein“, welches unsere Geduldsfäden mächtig anspannt.

Die Frage, wie wir unter diesen Umständen Weihnachten feiern dürfen und was da erst im neuen Jahr noch alles auf uns zu kommt kann unsere Herzen beschweren und unseren Blick trüben. Doch die Frage des Adventes ist keine „Was-Frage“ – „Was kommt da noch auf uns zu?“, sondern eine „Wer-Frage“ – „Wer kommt?“ – Wen erwarten wir? Wir warten auf die Wiederkunft unseres Erlösers, des Heilandes, – wir warten auf Jesus, den Messias der Juden, den „Gesalbten“, den Christus, unseren Herrn. Der uns die Tür der Gegenwart Gottes weit öffnet. „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.“, sagt er uns im letzten Buch der Bibel. Und in seiner berühmtesten Predigt lädt er uns ein: „Klopft an, und euch wird aufgetan!“.

Schließen möchte ich mit Worten des 27. Psalms, dessen erstem und letztem Vers, die vielleicht schon knapp tausend Jahre vor Jesu Geburt von König David gedichtet wurden:

„Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der
HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?
Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!“
(Ps 27,1+14)

Gesundheit, Geduld & gute Nerven wünscht euch Pastor
Kai-Uwe Marquard

In dieser Woche haben die Senioren einen Blumen- und Kartengruß von unserem Seniorenkreis bekommen – ein herzlicher Dank gilt Monika & Christa für ihren Liebesdienst!