19.04.2020

Liebe Gemeinde,

nach dem groß angekündigten „Corona-Gipfel“ von Bund und Ländern am vergangenen Mittwoch war ich frustriert, weil keine Lockerung des Gottesdienst-Verbotes angedacht worden war. Seit gestern bin ich wieder optimistischer, das Treffen mit den „Religionsvertretern“ (leider ohne freikirchliche Beteiligung) bietet eine realistische Perspektive für die Zeit nach dem 3. Mai. Demnach könnten wir am 10. Mai („Kantate“ – wie passend) wieder zu Gottesdiensten einladen – wenn die Personenzahl nicht zu sehr eingeschränkt wird. Also, lasst uns weiterhin alle Verantwortungsträger ins Gebet (fürbittend & fordernd) nehmen.

Als Bibeltext möchte ich euch Lukas 24, 13-35 (Die Emmausjünger) ans Herz legen. Er war in diesem Jahr für den Ostermontag vorgeschlagen. Zunächst begeben wir uns 16 Verse lang mit den beiden Emmausjüngern auf ihren Weg fort von Jerusalem ins gut 12 km entfernte Dorf Emmaus. Es ist sozusagen ein gemeinsamer „Trauerweg“ den sie beschreiten. Sie stehen noch ganz stark unter dem Eindruck des Kreuzestodes von Jesus, in welchem sie den verheißenen Messias gesehen hatten. Die Osterbotschaft des leeren Grabes hat sie allerdings eher verstört, als sie zu ermutigen. Sie ziehen sich mit ihrer Trauer zurück. Doch dann bekommen sie einen „Trauerbegleiter“ der ganz besonderen Sorte, nämlich den Auferstandenen selbst. Er wird von ihnen genauso wenig erkannt, wie zuvor von Maria Magdalena, die ihn für einen Gärtner hielt (Joh 20). Jesus gibt sich ahnungslos und lässt die Beiden erst einmal erzählen, was diese am Passahfest in Jerusalem erlebt hatten – es tut ihnen hörbar gut, ihrer Enttäuschung Luft zu machen. Und dann knüpft Jesus genau dort an und entwirrt ihre verknoteten Gedanken indem er sie in Gottes Plan einführt von Mose bis Maleachi. Das lässt ihre Herzen brennen, doch ihre Augen werden erst am Ziel in Emmaus geöffnet, beim gemeinsamen Abendbrot: „Jesus nahm das Brot, segnete es, dann brach er es und gab es ihnen. In diesem Moment fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen und sie erkannten ihn.“ Lukas 24,30-31. Ganz erfüllt von der Begegnung mit dem Auferstandenen machen sich die Beiden im Laufschritt zurück auf den Weg nach Jerusalem, um das Erlebte mit den übrigen Jüngern zu teilen. Jesus hat ihre Trauer, ihre Krise überwunden.

Ein verheißungsvolles Osterzeugnis, dass uns Mut machen möchte, uns mit unseren Sorgen und Nöten dem Auferstandenen zu öffnen: „Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden…“ Lk 24,29. Wenn wir in der aktuellen Corona-Krise wieder zusammenkommen dürfen, dann wäre es sicher naheliegend, unseren ersten Gottesdienst mit Zeugnissen zu gestalten. Wie erlebt ihr diese Zeit und wo ist euch unser Herr, Jesus Christus neu begegnet. Auch wenn derzeit noch Geduld gefragt ist, sollten wir unsere persönlichen Erfahrungen würdigen und sammeln, um als Gemeinschaft einen reichen Strauß an „Glaubensblüten“ zusammen zu binden. Vielleicht erleben wir die nächsten Sonntage ein wenig wie die jährliche Adventzeit, als Zeit der Vorfreude auf den ersten gemeinsamen Gottesdienst nach dem Versammlungsverbot.

Bis dahin möchte ich uns an die Medien verweisen, heute einmal an die Gemeinden unserer zugezogenen Süddeutschen. So hat mich Tobias Wöhrstein auf das Angebot der EFG-Kirchheim hingewiesen – deren Gottesdienst-Podcast startet um 10 Uhr und meine Frau empfiehlt gerne die Online-Gottesdienste ihrer Heimatgemeinde, der EFG-Gießen ebenfalls um 10 Uhr – beide Angebote findet ihr auf den jeweiligen Homepages der genannten Gemeinden.

Als Foto habe ich das aktuelle Kalenderblatt aus unserem Foyer ausgesucht – es ist ein starker Zuspruch und ein ebenso starkes Lied von Lothar Kosse. Also bleibt gesund und euch allen einen gesegneten Sonntag „Quasimodogeniti“ (Wie die neugeborenen Kindlein 1. Ptr 2,2). Zur Fürbitte sei euch besonders Gerhard Ebinger anbefohlen, der (endlich) am Montag operiert wird!

Gruß vom Pastor, Kai-Uwe Marquard